Fussballverband Region Zürich

Den Seniorinnen-Fussball lancieren!

Mit dem Start des Projektes «Entwicklung Frauen-/Juniorinnenfussball» setzte sich der FVRZ unter anderem das Ziel, die Anzahl Funktionärinnen in den Vereinen zu erhöhen. Anlässlich des 4. FVRZ-Kongresses im vergangenen November wurde in einem der diversen Workshops darüber diskutiert, wie man Frauen für die verschiedenen Funktionen in den Vereinen motivieren kann. Ein Punkt wurde dabei als sehr wichtig angesehen: Das Schaffen eines Angebotes für Spielerinnen nach der Aktivzeit beziehungsweise das Halten der Spielerinnen in den Vereinen.

Es geht was im Frauenfussball. Und die Aufbruchstimmung ist sichtbar. Beispielsweise am Flughafen Zürich, wo seit geraumer Zeit ein Megaposter die höchste Schweizer Frauenliga bewirbt. Oder mit der offiziellen Kandidatur als Ausrichter für die Frauenfussball-EM 2025.

33’057 Fussballerinnen sind mittlerweile in der Schweiz lizenziert, alleine 7'305 Frauen und Mädchen spielen im Fussballverband der Region Zürich (FVRZ). Und doch gibt es Fakten, die zum Nachdenken anregen. Gemäss dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) beenden nämlich die weiblichen Fussballerinnen bereits im Alter von 25 im Schnitt ihre Aktivkarriere. Augenfällig auch: Bis heute gibt es keine Seniorinnenkategorie. Und so bleiben nur vereinzelt Spielerinnen ihrer Leidenschaft treu, die sich beispielsweise in den 40+-Kategorien den Männern anschliessen.

Claudia Gfeller, Leiterin Projekt «Entwicklung Frauen-/Juniorinnenfussball» des Fussballverbandes der Region Zürich (FVRZ), machte sich schon länger darüber Gedanken, um diesen Zustand zu ändern. Bei einem ersten Anlauf vor einigen Jahren stiess sie noch auf wenig Resonanz. Weitaus erfolgreicher war aber nun der jüngste Versuch, welcher anlässlich des 4. FVRZ-Kongress im vergangenen November thematisiert wurde. Gleich mehrere ehemalige und noch immer aktive Fussballerinnen zeigten sofort ein grosses Interesse, um in einer Arbeitsgruppe das Projekt «Seniorinnen» ernsthaft anzustossen.

Bereits fanden – leider bisher nur virtuell – erste Sitzungen statt, um die Idee voranzutreiben. Mit Erfolg: Für den Sonntag, 3. Juli sind nämlich die ersten Ernstkämpfe der Seniorinnen in einer Turnierform geplant. Eingebettet soll der Anlass ins traditionelle FVRZ Juniorinnen-Abschlussturnier in Höngg werden. Die ersten Rückmeldungen sind vielversprechend. Sogar einige Vereine aus anderen Regionalverbänden meldeten ihr Interesse an einer möglichen Turnier-Teilnahme an. Gespielt wird der «Pilot» im 7-gegen-7-Format auf dem kleinen Spielfeld. Die Hürden, um bei den Seniorinnen mitzumachen, werden bewusst möglichst tief gehalten. So sind auch Spielerinnen unter 30 Jahren willkommen. Bei den Seniorinnen ist zudem vorerst weder eine offizielle Lizenz nötig, noch müssen interessierte Spielerinnen Mitglied in einem Verein sein.

Das Turnier soll nur ein Anfang sein. Geplant sind bereits weitere Turniere an wechselnden Orten im Raum Zürich für im Herbst 2022. «Wir wollen eine gewisse Regelmässigkeit erzielen», sagt die Initiantin Claudia Gfeller. «Auch eine klassische Meisterschaft könne in einem späteren Schritt zum Thema werden. Durch das Angebot von Seniorinnen bleiben die Spielerinnen länger in den Vereinen, wodurch die Grundlage für mehr Funktionärinnen geschaffen wird. Und wenn wir dadurch noch mehr Frauen für ein Amt im Vorstand gewinnen, dann noch besser!»

Anmeldungen für das 1. Seniorinnen-Turnier bis spätestens am 22. Mai 2022 direkt mit unterstehendem Link (Anmeldeformular 1. FVRZ Seniorinnen-Turnier 2022):
https://forms.office.com/r/yxVK165GaV

Für weitere Fragen zum Thema Seniorinnen-Fussball FVRZ (z.B. in welchen Vereinen gibt es bereits Seniorinnen, wo kann man sich für eine Trainingsgruppe treffen) kann man sich gerne an folgenden Kontakt wenden: fvrz-frauen@football.ch

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Abstriche bei den Ansprüchen

von Bruno Füchslin, Medienberichterstatter FVRZ,
bfoxli@bluewin.ch  

Gibts Schöneres im Sport, als in einem Team Gemeinsames zu erleben? Miteinander trainieren, spielen, fokussieren, eins oder zwei oder drei trinken, diskutieren, mutmassen, realisieren – und was da sonst noch im Zusammen anfällt. Wenn Menschen mit all ihren Individualitäten und Charakteren eine möglichst funktionierende Einheit bilden soll(t)en, ist allein dies schon eine Herausforderung. Im Sport lassen sich Ziele deklarieren und während einer Saison daran arbeiten, sie lebendig-permanent anzupeilen oder aber mit geringfügigen bis starken Korrekturen zu versehen.

Die Saisons in den Regionalverbänden neigen sich in Richtung deren Ende. Vieles wurde oder wird noch erreicht, mindestens in der Summe ähnlich wird oder wurde verpasst. Oft tun sich kleine oder grössere Kluften auf zwischen Ansprüchen und Abstrichen. Gerade diese «Gräben» gehören mit zur Herausforderung Teamsport. Der faszinierende Fehlersport Fussball zeigt seine Stärke auf dem Feld in möglichst vielen gewonnenen Spielen. Umgekehrt wird ein Team dann gefordert, wenns Enttäuschungen gibt, Spiele verloren gehen, obwohl man sie eigentlich hätte gewinnen müssen. Wenns in der Rangliste abwärts geht, hat niemand was zu lachen.

Dann zählt Menschliches. Komisch ist: Obwohl jedes Individuum ein Leben lang einen Menschen kennen sollte – sich selbst – scheint eine objektive Selbsteinschätzung etwas vom Schwierigsten. Auf eine Mannschaft summiert, kommt eher selten vor, dass ein Team einen zu Saisonbeginn prognostizierten Rang erreicht. In der Mehrheit der Fälle dürfte die Voraussage zu hoch gegriffen worden sein.

Na und? Doch nicht so gut wie gedacht? Abstiegsplatz statt «sicheres Mittelfeld»? Kennt jemand einen Alpinisten, der immer nur die Berge hochklettert und nie einen symbolischen wie konkreten Abstieg macht? Er weiss, dass beides dazu gehört. Nirgendwo gehts immer nur «obsi»; kein Team kommt während einer Saison ohne kürzere oder längere Flauten aus. Wer im Breiten-/Amateurfussball daraus ein Problem macht – der hat ein Problem.

Auch wenn dies in der allgemeinen Wahrnehmung zwischen unbekannt bis fast widersinnig erscheint: Der Fussball spielt Menschen. Es war noch nie umgekehrt.